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Menschen mit Behinderungen
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Virtuelle Ausbildung

Sebastian Weiler
Quelle: muskelreport 3/01

Virtuelle Ausbildung Das Internet hat sich in den letzten Jahren von der Spielwiese zur Geschäftsplattform und zum Kommunikationsinstrument entwickelt. Keine Angst, ich will keinen Fachvortrag halten, aber von dieser Entwicklung können alle körperlich Behinderten nur profitieren! In dem folgenden Bericht möchte ich anhand meines eigenen Beispiels zeigen, welche neuen beruflichen Möglichkeiten das Internet bieten kann. Nun will ich mich aber zuerst einmal kurz vorstellen: Ich heiße Sebastian Weiler und bin 20 Jahre alt. Seit meiner Geburt bin ich an einer spinalen Muskelatrophie erkrankt und sitze in einem E-Rollstuhl. Wohnhaft bin ich ca. 70 km östlich von Stuttgart in einem kleinem Ort namens Böbingen. Nach meinem Hauptschulabschluss und einem 1,5-jährigen Programmierkurs an einer Schule für Körperbehinderte stellte sich für mich die Frage nach meiner beruflichen Zukunft. Einen höheren Schulabschluss oder einen Berufsabschluss zu erlangen kam für mich zum damaligen Zeitpunkt leider nicht in Frage, da ich dazu nach Neckargemünd hätte müssen. Dies wäre mir einem Internatsaufenthalt verbunden gewesen, welchen meine gesundheitliche Situation nicht zuließ und auch jetzt nicht zulässt. Beispielsweise kann ich meist nur einen halben Tag im Rollstuhl sitzen. Ich eröffnete zuerst ein kleines Webdesign-Gewerbe, welches ich auch heute noch betreibe. Leider lief dies nicht so erfolgreich an, da ich keine namhaften Referenzen vorzuweisen hatte und mir auch das nötige Grundkapital für Werbemaßnahmen fehlte. Im Mai letzten Jahres hatte ich das Glück, durch einen Verwandten einen Studentenvertrag bei dem Unternehmen debis Systemhaus MEB GmbH zu bekommen. Für diese Firma programmiere ich seither von zuhause aus kleine Applikationen und Internetseiten. Die Kommunikation und der Softwareaustausch finden meist über E-Mail oder aber auch über das herkömmliche Telefon statt. In der gleichen Zeit erfuhr ich vom Arbeitsamt von einem einzigartigen geplanten Pilotprojekt des Berufsbildungswerkes Neckargemünd. Das Projekt sah vor, eine Berufserstausbildung für schwerstkörperlich Behinderte zum Bürokaufmann/-frau, die komplett über das Internet stattfinden sollte anzubieten. Da ich ja außer meinem Hauptschulabschluss keinen höheren Abschluss habe, ergriff ich Chance und wurde Azubi zum Bürokaufmann. Seit September 2000 läuft die Ausbildung nun mit momentan 11 schwerstkörperbehinderten Azubis, die im Alter zwischen 17 und 38 sind und sehr unterschiedliche Vorbildungen haben. Von Hauptschulabschluss bis Abitur ist alles vertreten. Der Unterricht findet in 3 Lerngruppen jeweils in einer Multimedia-Video-Konferenz zu je 50 Minuten pro Fach in der Woche statt. Jeder Teilnehmer hat dazu neben einem PC mit Internetanschluss, Headset (oder Mikrofon) und eine Webcam bei sich daheim. Zum normalen Berufschulunterricht und der praktischen Ausbildung werden auf freiwilliger Basis noch die Fächer Englisch und Multimediagestaltung angeboten. Mit dem freiwilligen Englischaufbaukurs komme ich somit insgesamt auf 8 Online-Konferenzen pro Woche. Die Erledigung von Hausaufgaben und Arbeitsaufträgen kann sich jeder selbst individuell in den konferenzfreien Zeiten einteilen. Die Ausbildung ist von der Industrie- und Handelskammer (IHK) voll anerkannt. Für debis arbeite ich nebenher weiterhin, da ich auch nach Abschluss der Ausbildung (voraussichtlich 2003) in der IT-Branche tätig sein möchte. Über zu wenig Arbeit kann ich mich wahrlich nicht beklagen, aber das ist mir gerade recht. Wenn ich nicht mehr im Rollstuhl sitzen kann, so lege ich mich hin und lasse mir einfach den PC ans Bett schieben. Ich habe dem Internet und den damit verbundenen neuen technischen Möglichkeiten sehr viel zu verdanken und hoffe, dass ich mit diesem Bericht anderen Schwerstbehinderten, die bisher keine berufliche Perspektive hatten, Mut machen kann. Im September startet übrigens eine neue Ausbildungsgruppe für die es meines Wissens noch wenige freie Plätze gibt. Ich kann es nur noch einmal wiederholen: An dieser Ausbildung können auch Schwerstbehinderte über 30 Jahre teilnehmen, die bisher nur geringe PC-Kenntnisse besitzen. Die notwendige PC-Ausstattung wird komplett vom Berufsbildungswerk zur Verfügung gestellt! Die Ausbildungskosten werden von der Bundesanstalt für Arbeit übernommen. Alle, die Fragen zu diesem Bericht oder direkt zur Ausbildung haben, können sich unter den nachfolgenden Kontaktinformationen entweder an mich oder gleich direkt an die Ausbildungsstätte wenden. Meine Kontaktadresse: Sebastian Weiler Limesring 44 73560 Böbingen Telefon: 0 7173 / 914700 E-Mail: info@s-weiler.de Homepage: Mein Kleines Gewerbe Kontaktinfo des „virtuellen“ Berufsbildungswerkes Neckargemünd: Virtuelles Berufsbildungswerk Angelika Grundler-Grob Telefon: 06223 892868 Mobil: 0160 4757268 Telefax: 06223 9224048 E-Mail: Angelika.Grob@bbw.srh.de


Im Angebot der SDC seit 07.09.01 (tmu)

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