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Leitfaden zum Erstellen von Texten im Internet

Astrid Hassenbach, WebMen Internet Bremen

Was ist eigentlich einfach?
Über die Schwierigkeit, einfache Websites zu gestalten

Wie lassen sich barrierefreie Websites einfach gestalten, gerade im Hinblick auf Sprache und Orientierung? Worauf ist zu achten? Mit diesen Fragen hat sich Astrid Hassenbach in ihrer Abschlussarbeit im Studiengang Digitale Medien an der Universität Bremen beschäftigt. Im Zusammenhang mit dem Relaunch der Website der Stadtbibliothek Bremen entstand dabei ein praxisnaher Leitfaden zur Textgestaltung, der zusammenfasst, worauf beim Schreiben für das Web zu achten ist.

1. Einleitung

Die besondere Darstellungsweise der Texte am Bildschirm und die breite und vielfältige Zielgruppe der Nutzerinnen und Nutzer, denen ein barrierefreies Internetangebot präsentiert werden soll, stellt besondere Anforderungen an die Textgestaltung. Das Leseverhalten am Bildschirm unterscheidet sich von der Nutzung von Printmedien vor allem darin, dass die Inhalte nach relevanten Schlüsselwörtern "abgescannt" werden und User nur kurz auf einer Seite verweilen. Die wesentlichen Informationen müssen daher schnell und leicht erfassbar sein.

Dies gelingt u.a. durch eine klare Strukturierung der Inhalte, die zugleich Nutzerinnen und Nutzern assistiver Technologien (z.B. von Screenreadern, die blinden Usern die Bildschirminhalte vorlesen) den Zugang zum Angebot erleichtern. Die Verwendung einfacher Sprache trägt dazu bei, dass Menschen für mit geistiger Behinderung, Lerneingeschränkten oder Menschen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, der Zugang erleichtert wird. Der positive Nebeneffekt hierbei ist, dass bei Berücksichtigung der wesentlichen Grundregeln die Nutzung des Web-Angebots für alle Nutzerinnen und Nutzer einfacher und leichter wird.

Die folgenden Hinweise wurden unter Berücksichtigung der Europäischen Richtlinien zur Erstellung von Dokumenten in einfacher Sprache verfasst und sollen Sie bei der Gestaltung der entsprechenden Texte unterstützen.
Beispiele für den Einsatz einfacher Sprache finden Sie im Netz unter:
http://www.people1.de/
http://www.behindertenbeauftragter.de/eckpunktepapier

2. Textstrukturierung

  • Bieten Sie Zusammenfassungen an
    Um Nutzerinnen und Nutzern mit Schwierigkeiten beim Erfassen von Texten das Lesen zu erleichtern, empfiehlt es sich, längeren Textpassagen (länger als halbe DIN A4-Seite) eine kurze Zusammenfassung voran zu stellen. Diese sollten in einfacher Sprache formuliert sein (s. hierzu die Hinweise zur sprachlichen Textgestaltung).
  • Stellen Sie das Wichtigste an den Anfang
    Ähnlich wie bei Zeitungsartikeln sollten die wichtigsten Informationen im oberen Bereich angesiedelt sein, damit Nutzerinnen und Nutzer sich möglichst schnell einen Überlick verschaffen und entscheiden können, ob sie aus dem Leseprozess aussteigen möchten oder nicht.
  • Halten Sie die Texte kurz
    Die Länge eines Textes sollte 2 DIN A4-Seiten nicht überschreiten. Tut er dies doch, ist es sinnvoll, ihn auf mehrere HTML-Seiten zu verteilen.
  • Teilen Sie die Texte in Absätze
    Auf diese Weise tragen Sie dazu bei, die Durchsuchbarkeit der Inhalte zu erhöhen. Ein Abschnitt sollte dabei nicht länger als die durchschnittliche Fensterhöhe sein und nur einen Gedanken enthalten.
  • Verfassen Sie eindeutige Zwischenüberschriften
    Mit Zwischenüberschriften ermöglichen Sie, den Inhalt des folgenden Abschnitts zu antizipieren. Um zum Weiterlesen zu "verführen", sollten Zwischenüberschriften möglichst plastisch und bildhaft formuliert sein. Besonders gut geeignet sind offene Fragen.
  • Verwenden Sie Tabellen und Aufzählungszeichen
    Auf diese Weise können komplexe Inhalte schnell erfasst werden.


3. Sprachliche Textgestaltung

  • Verwenden Sie eine einfache, unkomplizierte Sprache
    Verwenden Sie die einfachsten Worte auf möglichst einfache Weise, indem Sie Sie komplizierte Strukturen und abstrakte Begriffe vermeiden. Seien Sie klar in den Ideen, die Sie vermitteln wollen.
  • Vermeiden Sie abstrakte Begriffe
    Wenn Sie abstrakte Begriffe erwähnen müssen, verwenden Sie konkrete Beispiele und Vergleiche, die den Menschen helfen, das Problem zu verstehen.
  • Verwenden Sie kurze Worte aus der Alltagssprache
    Vermeiden Sie lange Worte, die schwer zu lesen und auszusprechen sind. Verwenden Sie nur Worte, die in der Alltagssprache bekannt sind und von Ihrer Zielgruppe verwendet werden. Achten Sie jedoch darauf, Erwachsenensprache zu verwenden, wenn Sie für erwachsenen Menschen schreiben.
  • Verwenden Sie häufig eine persönliche Ansprache
    Sprechen Sie Ihre Leser in einer direkten und persönlichen Weise an. "Du hast/Sie haben das Recht auf..." ist immer besser als "Nutzer von Dienstleistungen haben das Recht auf...".
  • Verwenden Sie praktische Beispiele
    Praktische Beispiele können dabei helfen, dass Menschen abstrakte Begriffe verstehen und Informationen in Beziehung zu Situationen aus ihrem eigenen Leben setzen.
  • Verwenden Sie kurze Sätze
    Kurze Sätze sind leichter zu erfassen und wirken sich positiv auf die Verständlichkeit Ihres Textes aus.
  • Verwenden Sie positive Sprache
    Vermeiden Sie negative Sprache und Verneinungen, da sie zu Verwirrung führen können.
  • Verwenden Sie eher aktive als passive Verben
    Gestalten Sie Ihr Dokument so interessant wie möglich. Aktive Verben machen Ihr Dokument in der Regel lebhafter und weniger kompliziert.
  • Gehen Sie nicht von bereits vorhandenem Wissen über Ihr Thema aus
    Indem Sie kein Vorwissen voraussetzen, machen Sie ihre Site inhaltlich für alle zugänglich.
  • Verwenden Sie immer die gleichen Begriffe
    Verwenden Sie immer das gleiche Wort für eine Sache, auch wenn die Wiederholung von Worten den Stil beeinflusst.
  • Verwenden Sie keine Fremdworte
    Dies betrifft ebenfalls Worte, die häufig verwendet werden, aber fremden Ursprungs sind. Wenn Sie es nicht vermeiden können ein Fremdwort zu verwenden, da es sehr gebräuchlich ist, erklären Sie es.
  • Vermeiden Sie Querbezüge
    Wenn Sie Dokumente in einer leicht lesbaren Sprache zugänglich machen, kann dies dazu führen, dass sie länger werden als die Originaltexte. Dies betrifft insbesondere kompakte juristische oder wissenschaftliche Texte, gerade wenn es darauf ankommt, dass Menschen mit Lernschwierigkeiten die Details verstehen. Es ist vielleicht nötig, das Dokument in mehrere kleinere Abschnitte aufzuteilen, um es lesbarer zu machen.
  • Verwenden Sie eine einfache Zeichensetzung
    Vermeiden Sie Strichpunkte, Gedankenstriche und Kommas, da diese das Verständnis des Textes erschweren können.
  • Verwenden Sie keinen Konjunktiv
    Die "unsichere Zukunft" (...könnte passieren..., solltest Du/sollten Sie tun...) ist ungenau und verwirrend. Vermeiden Sie den Konjunktiv, soweit es geht.
  • Seien Sie vorsichtig mit Redewendungen und Metaphern, wenn sie nicht sehr gebräuchlich sind
    Menschen mit einer Lernbehinderung kennen sie vielleicht nicht, doch wenn sie in der Alltagssprache sehr verbreitet sind, können sie den Text durchaus farbiger gestalten.
  • Vermeiden Sie Fachjargon, Abkürzungen und Initialen
    Fachjargon sollte niemals verwendet werden - er ist bedeutungslos und irrelevant für die Menschen außerhalb des Fachkreises. Versuchen Sie auch Abkürzungen zu vermeiden und verwenden Sie sie nur, wenn sie Ihrer Zielgruppe bereits bekannt sind. Erklären Sie immer, was sie bedeuten. Verwenden Sie einen Einschub, wenn es wichtig ist, einen Begriff zu erklären, den andere benutzen werden. Wiederholen Sie ihn, um sicherzugehen (z.B. "...Satzung, die Regeln einer Organisation...")


Sehen Sie dazu auch den Bachelor-Report von Astrid Hassenbach:
Barrierefreiheit von Webangeboten am Beispiel der Stadtbibliothek Bremen


Im Angebot der SDC seit 25.09.04 (rro)

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Themenbereiche:
Mediennutzung durch Menschen mit Behinderungen / Aktivitäten für Menschen mit Behinderungen, Barrierefreiheit




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