Auch für die Mausfunktion gibt es verschiedene Alternativlösungen. Für manche Behinderte ist bereits der Einsatz eines Touch-Screen hilfreich,
da beim unmittelbaren Arbeiten am Schirm die Koordination von Mausbewegung auf dem Tisch und Zeigerbewegung auf dem Bildschirm
entfällt. Kann eine Standard-Maus aus anderen Gründen nicht eingesetzt werden, sind gegebenenfalls Tableaus, Joysticks oder Trackballs aus
dem Standardzubehör nutzbar. Weitere spezielle Eingabemittel sind Mini-Joystick, fußbediente Maus, zungenoperierte Maus, ein am Kopf
befestigter Infrarotsender oder die Eingabe per Augenbewegung.
Die Weiterentwicklung der Spracheingabe und der enorme Preisverfall etwa bei DragonDictate oder IBM VoiceType macht diese
Eingabemöglichkeit zunehmend interessanter. Auch die Ausgabe über Sprache stellt ein wichtiges Medium dar. Papierdokumente lassen sich
einscannen, per Mustererkennung in Buchstaben übersetzen und per synthetischer Sprachausgabe vorlesen. Mit einem sogenannten Screen
Reader wird der Bildschirminhalt an ein Ausgabesystem übergeben und der Textanteil direkt vorgelesen. Diese Technologie stellt eine wichtige
Ergänzung der Punktschrift (Braille) oder anderer taktiler Blindenhilfsmittel dar.
Gleichzeitig wird hieran deutlich, daß der technische Fortschritt auch neue Barrieren errichten kann. Solange rein textuell gearbeitet wurde,
konnten sich blinde Menschen mit Hilfe eines Screen Reader den Zugang erschließen. Heute haben sich jedoch grafische Benutzeroberflächen
mit Ikons, Buttons und Bildern durchgesetzt. Dies hat zunächst zu deutlichen Rückschlägen für blinde Anwender geführt. Mehrere Anläufe waren
nötig, um grafische Benutzeroberflächen auch für blinde Menschen nutzbar zu machen, etwa durch taktile und akustische Repräsentationen oder
alternative (hinterlegte) Textbeschreibungen. Und nicht jeder kommt mit den nun verfügbaren Lösungen wieder klar.
Standardsoftware
Spezielles Zubehör ermöglicht es vielen Menschen unterschiedlichster Behinderungen, mit Standardanwendungen beispielsweise unter Windows
zu arbeiten. Nicht zuletzt der Druck der Öffentlichkeit in Amerika hat auch bei den Softwareherstellern etwas in Gang gesetzt. Neben
verschiedenen Anwendungen für Menschen mit Behinderungen als Shareware im PC- und Macintosh-Bereich hat selbst Microsoft
Anstrengungen bei der Weiterentwicklung von Windows unternommen, die als Optionen in Windows 95 übernommen wurden. Hierunter fallen
beispielsweise Schriftvergrößerungen für Menüs, verbesserte Kontrasteinstellungen, visuelle Meldung über akustische Warnungen und etliche
Neuerungen im Internet Explorer 4.01. Zusätzlich wird eine Entwicklungsumgebung für behinderungsgerechte Software angeboten
(Active Accessibility Toolkit `msaasdk.exe´ unter
http://microsoft.com/enable/dev/msaa.htm
Doch trotz aller Bemühungen ist in dieser Richtung noch
viel Überzeugungs- und Bewußtseinsarbeit zu leisten.
Spezielle Anwendungen
Neben dem Arbeiten mit allgemeinen Softwareprodukten gibt es wichtige Spezialanwendungen, die ganz gezielt einzelne Hilfen für das tägliche
Leben mit Funktionseinschränkungen bieten. Von diesen seien hier nur einige herausgegriffen.
Im Zuge verschiedener Behinderungen kommt es für die betroffenen Menschen zu einem Verlust des Sprechvermögens (zum Beispiel
Muskeldystrophie, ALS, MS, Aphasie). Bei einem zusätzlichem Verlust von Bewegungsfähigkeit ist der behinderte Mensch in seinen
Kommunikationsmöglichkeiten weitgehend eingeschränkt. Und dies oft bei geistiger Regsamkeit. Hier kann ein rechnergestütztes System mit
Scanning, Schalterauslösung und Sprachausgabe helfen, die Sprachlosigkeit zu überwinden.
In Verbindung mit einem Sprachausgabesystem können Menschen mit schweren Sprachstörungen durch die Anwahl der
Pictogramme Wünsche äußern und mit anderen kommunizieren.
Solche Systeme werden heute als Zusatzsoftware oder als Komplettgeräte für unterschiedliche Anforderungen angeboten. Das reicht von
einfachen symbol- und pictogrammgestützten Anwendungen für begrenzten Sprachumfang, über hierarchische, codebasierte Systeme bis hin zu
intelligenter zeichen- oder silbenorientierter Software für den gesamten Sprachumfang. Die meisten Systeme sind heute auch noch weiter
adaptierbar. Sie können Kinder im Vorschulalter ohne Lesefähigkeit ebenso unterstützen, wie Menschen mit Lese- und Schreibfähigkeit, die erst
später ihr Sprechvermögen verlieren.
Smart-Home
Eine weitere Anwendung ist die Bedienung von Geräten speziell im häuslichen Umfeld. Am deutlichsten wird dies bei Anwendern mit
Bettlägerigkeit, die in fast allen Bereichen auf die Hilfe Dritter angewiesen sind. Dies stellt eine hohe Belastung für die betroffenen Menschen und
ihre Betreuer dar. Ein wenig Selbständigkeit kann der so eingeschränkte Mensch durch die zentrale Fernsteuerung einzelner Funktionen seiner
Umgebung zurückbekommen. Denkbar wäre hier beispielsweise: das Bett verstellen, Radio und TV nutzen, Licht einschalten, Lüftung und
Heizung steuern, Fenster öffnen, Rolladen schließen, Türsprechanlage bedienen, telefonieren, Briefe schreiben, faxen und so weiter. Auf der
Basis von Infrarotsendern, Funkstrecken oder Hausbussystemen ist dies ohne allzu große bauliche Maßnahmen realisierbar.
Auch im Bereich von geistigen Behinderungen können Computer Hilfestellungen liefern. So wurde in Schweden in einem Pilotprojekt ein
Hilfssystem für Menschen unterwegs vorgestellt, das auf einem Apple Newton mit Videokamera und GSM-Telefon basiert. Mit lokaler
Unterstützungssoftware (zum Beispiel Erinnern, Hilfefunktionen), Datenübertragung und Anschluß an eine Leitstelle fordert der Betroffene bei
Bedarf die zusätzliche Hilfe eines Betreuers an.
Andere Entwicklungen liegen im Bereich der Tagesstrukturierung über Pictogramme bei allgemeinem Orientierungsverlust oder der spezifischen
Unterstützungen bei Arbeitsvorgängen.
Telekommunikation
Mit der Telefonie ist mehrfach schon ein ganz wesentliches Element angesprochen worden. Geeignete Zugänge zu Standardtelefonen liegen heute
prinzipiell vor: Großfeldtastaturen, computerunterstütztes Telefonhandling, Akustikkoppler, Texttelefon für ertaubte Menschen und so weiter. Das
größte Problem vieler `Drahtloser´: sie brummen extrem in Hörgeräten! Das geht so weit, daß die hörgeschädigten Anwender nur noch das
Mobiltelefon selbst hören, nicht aber ihren Gesprächspartner.
Ein Endgerät für ertaubte Menschen mit Spracherkennung und Schriftdarstellung in Echtzeit bei einem beliebigen Gesprächspartner läßt noch auf
sich warten. Neue Anwendungen liegen heute in der Nutzung von Bildtelefonie zur Zeichensprachenübermittlung oder zum Lippenlesen.
Zunehmend spielen auch Fax und E-Mail eine wichtige Rolle.
Einer für alles: Der mobile `emil´ integriert Telefon, Fax und Zentralsteuerung in einem Gerät.
Die Nutzung des Internet ist bei blinden Menschen per Punktschrift oder Screen Reader verbreitet. Menschen mit Hörbehinderung nehmen an
Chat-Runden ohne Handicap teil. Erst Multimedia bringt erneut Probleme. Was sollen blinde Menschen mit einer Grafikseite mit Buttons, Maps,
Ikons und ähnlichem anfangen, die weder eine Texthinterlegung noch eine alternative Textseite bietet? (Sehende können dies zumindest
ansatzweise selbst erfahren, indem sie solche Seiten einmal ohne Graphiken laden). Oder wie soll ein ertaubter Anwender mit einem
umfangreichen Tondokument ohne Textbeschreibung oder mit einem Video ohne Untertitel umgehen? Hier wird Multimedia zum neuen
Hindernis.
Im Internet findet man beispielsweise unter der folgenden URL Hinweise für die Erstellung zugänglicher HTML-Seiten:
http://www.trace.wisc.edu/. Eine Prüfung der eigenen Seiten erlaubt
http://www.cast.org/bobby/.
Würden die dort genannten Regeln eingehalten, hätten Menschen mit Handicaps wie alle anderen auch Zugang zu den vielfältigen Möglichkeiten
des Internet, zur Informationsbeschaffung, zu Homebanking und Teleshopping, könnten ohne Probleme an einem Chat teilnehmen oder effektiv
Telearbeit leisten. Auch hier ist also nicht der Sonderweg, sondern eine Homepage im Sinne des `Design für alle´ gefordert.
Zusätzlich zu allgemeinen Diensten bieten sich auch Spezialanwendungen wie Informationssysteme, Dienstleistungen oder Teleassistance für die
verschiedenen Interessenlagen an. Heute sind bereits einige Selbsthilfegruppen mit eigenen Seiten präsent oder arbeiten an deren Aufbau (zum
Beispiel
http://www.selbsthilfe.de/). Die REHADAT-Datenbank des Bundesministeriums für Arbeit und Sozialordnung, die Informationen über
Produkte, Dienste und Adressen aus dem Rehabilitationsbereich bereithält, ist seit letztem Jahr online zugänglich
(
http://www.rehadat.de/rehadat_d.htm), aber auch als CD-ROM Version erhältlich.
Ein visueller Kontakt beim Telefonieren oder die Datenübermittlung von zu Hause zu einem Hilfsdienst oder Therapeuten bieten neue Ansätze zur
Unterstützung von Menschen in ihren eigenen vier Wänden.
Mit der Weiterentwicklung der mobilen Telefonie lassen sich Serviceleistungen auch für unterwegs anbieten. Der Hausnotruf kann damit zum
mobilen persönlichen Notruf auf Reisen werden. Wird ein solcher Notruf ausgelöst, kann neben der telefonischen Unterstützung die Position des
Rufenden über GPS ausgemacht und dann mit Hilfe einer zuvor hinterlegten Notfallanweisung gezielt eine Hilfsmaßnahme eingeleitet werden.