PC & Co haben längst auch im klassischen Hilfsmittelbereich Einzug gehalten, allerdings nicht ganz so offensichtlich. Die früheren Generationen
von Elektrorollstühlen mit einfacher Steuerung per Momentenregelung wurden verdrängt durch Systeme mit geschwindigkeitsgeregelter
Steuerungstechnik auf Basis von Microcontrollern. Hierbei sind Fahrparameter programmierbar, zusätzlich lassen sich verschiedene
Bedienelemente einsetzen und über definierte (digitale) Schnittstellen zusätzliche Sondersteuerungen anschließen.
So kann beispielsweise ein Elektrorollstuhl, der mit einer Zwei-Tasteneingabe auf Scanning-Basis anstelle eines konventionellen Fahrhebels
(Joystick) ausgerüstet ist, auch noch mit Minimaleingabe gefahren werden. Durch eine Umschaltung im Bedienmenü läßt sich mit denselben
Tastern eine Umfeldkontrolle oder eine Kommunikationshilfe bedienen. Auch die Umschaltung zur Bedienung eines am Rollstuhl montierten
Manipulatorarmes als Greifhilfe ist ohne weiteres realisierbar.
Mobile Kombigeräte unterstützen die Rollstuhlnavigation und sind zugleich eine Kommunikationshilfe.
Für Menschen mit sehr stark eingeschränkten Bewegungsmöglichkeiten stellt der Blattwender eine unentbehrliche Lesehilfe dar.
Weitere Beispiele fortschrittlicher Anwendungen gibt es bei modernen Hörgeräten mit Programmierfunktionen und Störpegelunterdrückung
mittels digitaler Filter, Lesehilfen mit variablem Zoom, Kontrastverstärkung und Farbwahl oder Orientierungshilfen bei Sehbehinderung auf
Ultraschallbasis mit Sprachausgabe.
Ausblick
Im Zuge der rasanten Entwicklung der Technik und der Preise verändern sich auch in Zukunft die Möglichkeiten und Anforderungen an
allgemeine Geräte, spezielle Hilfsmittel und Benutzer. Ein wesentlicher Gesichtspunkt bleibt jedoch die Forderung nach dem `Design für alle´.
Durch bewußte Auslegung kann mit vergleichsweise geringem Aufwand eine möglichst große Zielgruppe unter Einbeziehung vieler Menschen mit
Behinderungen und älterer Menschen erreicht werden. Dies ist zugleich wirtschaftlich sinnvoll und unterstützt die gesellschaftliche Integration.
Neue Barrieren durch neue Technologien dürfte es eigentlich nicht geben.
Mit der zu erwartenden Entwicklung im Bereich der leistungsfähigen handheld portables, also der noch unter der Größe von Palm-Top oder
PDAs liegenden Systeme mit weiterentwickelter I/O-Technik (Abschied vom Bildschirm) und Datenübertagungstechnik werden sich immer neue,
heute unvorstellbare Unterstützungsanwendungen ergeben. Damit lassen sich ambulante Dienstleistungen innovieren, hin zu mehr
Kundenorientierung durch effizientere Ressourcennutzung. Auch die Entwicklung von smarten, also flexibel programmierbaren Implantaten, seien
es fortgeschrittene funktionelle Elektrostimulatoren oder künstliche Sensoren, werden den Hilfsmittelmarkt der Zukunft ergänzen.
Natürlich ist nicht alles, was machbar ist, auch sinnvoll, menschengerecht und ethisch vertretbar. Bei aller Euphorie über das technisch Mögliche
darf man dies nicht aus den Augen verlieren. Vielfach gilt auch heute noch die Maxime `simple is beautiful´, die Wahlfreiheit muß weiterhin bei
den Benutzern liegen.
Andererseits darf die Entwicklung von Neuem mit diesen Argumenten nicht kategorisch abgelehnt werden. Gerade ein so sensibler Bereich der
Technikanwendung, in dem einzelne Menschen extrem von ihrer Technik abhängen, braucht sowohl Augenmaß als auch Vision, praktische
Realisierungen und vorausschauende Lösungen. Es gilt deshalb, ein bewußtes Design und eine neue Kultur der Zusammenarbeit zwischen
Menschen mit und ohne Behinderung zu fördern. (uk)