Bereich net.werker Bereich Experten Bereich Presse Bereich Einsteiger Bereich Experten
Logo der Stiftung Digitale Chancen
Über die Stiftung
Service für Experten
Schriftgrad ändern  
Schriftgrad 1Schriftgrad 2Schriftgrad 3
   Start    Suche News    Termine  Forum    Newsletter    Broschüren    Kontakt


Menschen mit Behinderungen
Zugangsorte finden:
:   

  ::  detailliert suchen
  ::  Zugangsort melden

Technik als Lernunterstützung für sehbehinderte Kinder

Quelle: IST Results, Aussender AlphaGalileo vom 27.04.06

Lernunterstützung für blinde und sehbehinderte Kinder in Schulen ist das Ziel eines Systems, das auf der Grundlage einer gemeinsamen Software-Architektur Zusammenarbeit und Datenerkundung bietet sowie Kommunikation und Kreativität fördert. Schnittstellen und Anwendungsprototypen werden bereits getestet.

Als Partner in dem im IST-Programm geförderten Projekt MICOLE arbeiten die verantwortlichen Teams eng mit den nationalen und lokalen Sehbehinderten-Verbänden und -Organisationen sowie mit Schulen zusammen. Ihre Hauptaufgabe ist die Entwicklung des Systems. Der Projektkoordinator Roope Raisamo von der Universität Tampere in Finnland berichtet jedoch noch von einigen unterstützenden Aktivitäten, die sich an die Nutzer und ihre Bedürfnisse richten.

"Wir experimentieren damit, wie man verschiedene Sinne nutzen kann, um die fehlende Sehkraft teilweise zu ersetzen, insbesondere bei Aufgaben, die für die Konstruktion des Systems zentral sind," erläuterte er. "Empirische Forschung hinsichtlich kollaborativer und verschiedene Sinne ansprechender, haptischer Schnittstellen für sehbehinderte Kinder gehört zu den wichtigsten Forschungsaktivitäten."

Haptische Technik bedient der Nutzer mit dem Tastsinn. Diese neue Technologie führt den Tastsinn bei bisher nur auf die Sehkraft basierenden Lösungen ein. Die Software-Architektur und die Anwendungen von MICOLE sind multimodal, d.h. sie nutzen den Hör- und den Tastsinn, um verschiedene Stufen von Sehbehinderung auszugleichen.

Die Arbeit geht über die Entwicklung eines assistiven Hilfsmittels hinaus. "Zusätzlich zu dem unmittelbaren Nutzen von MICOLE als Hilfsmittel wird das System auch gesellschaftliche Auswirkungen haben, indem es die Teilhabe von Sehbehinderten in Bildung, Arbeit und Gesellschaft allgemein verbessert," erklärte Raisamo.

Erste Feldstudien umfassten Interviews mit Lehrern, Kindern und entsprechenden Nutzerorganisationen sowie die Beobachtung von Gruppenarbeit in Schulen. Das Ziel war festzustellen, wie sehbehinderte Kinder in der Schule mit Gleichaltrigen und Lehrern zusammenarbeiten und inwieweit sie sich bei der Gruppenarbeit engagieren.

"Die Interaktion zwischen den Schülern, mit den Lehrern und mit Gleichaltrigen ist für das Lernen von großer Bedeutung," erläuterte Raisamo. "Wir wissen, dass kollaboratives Lernen Vorteile hat, weil die Schüler durch den Dialog mit Gleichaltrigen lernen und durch das gemeinsame Bearbeiten von Aufgaben ihr Wissen aufbauen."

Ergebnisse von Feldstudien aus Österreich, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Litauen, Schweden und Großbritannien zeigen größere Unterschiede bei der Bildung von sehbehinderten Kindern; im Hinblick auf Aspekte der Zusammenarbeit wiesen sie jedoch viele Gemeinsamkeiten auf. Auf der Grundlage dieser Ergebnisse wurde in Stockholm ein Workshop zum Prototyping veranstaltet, auf dem die Schulsituation solcher Schüler im Mittelpunkt stand. Verschiedene, den Tast- und den Hörsinn ansprechende Anwendungen, die im MICOLE-Projekt entwickelt wurden, wurden evaluiert und neue Gestaltungsmöglichkeiten formuliert.

Raisamo weist darauf hin, dass das System keine Anforderungen an die Nutzer hat. "Das System passt sich den Nutzern an. Es richtet sich an sehbehinderte Kinder, aber da es die Zusammenarbeit zwischen sehenden und sehbehinderten Kindern erleichtert, unterstützt es auch die sehenden Kinder."

Ein multimodales System mit Feedback im Seh-, Hör- und Tastbereich kann viele verschiedene Nutzer mit Behinderungen unterstützen, denn das Fehlen einer Fähigkeit führt nicht dazu, dass das System nicht nutzbar ist, erklärt Raisamo.

Die Projektpartner haben 16 verschiedene Schnittstellen und Anwendungsprototypen entwickelt oder getestet, darunter das explorative Lernen der Schichten der Erdkruste, Wiedergabe von Rhythmen, ein taktiles Irrgartenspiel, virtuelle Maracas (Percussion-Instrumente), Post-Its mit einem haptischen Strichcode, ein Stromkreis-Browser, ein haptisches Simon-Spiel, Memory-Spiele, eine haptische Schildkröte und eine haptische Version des klassischen ersten Videospiels Pong.

Für eine bessere Vermittlung von natürlichen Phänomenen wie die Jahreszeiten, die Schwerkraft und das Sonnensystem haben die Projektpartner ein System mit proaktiven Agenten konstruiert, die dem Schüler, wenn nötig, Hilfe anbieten. Der Nutzer entscheidet, ob er die Hilfe annimmt, die zur Darstellung des Inhalts Feedback im Seh-, Hör- und Tastbereich gibt.

Zu den Projektpartnern in den Bereichen Haptik und multimodale Mensch-Computer-Interaktion gehören führende, europäische und internationale Firmen. Reachin Technologies AB ist beispielsweise weltweit führend in haptischer Technologie; France Telecom hat Erfahrungen mit der Entwicklung von Anwendungen für Blinde.

"MICOLE bietet dem Konsortium eine hervorragende Gelegenheit und die kritische Masse, um die Ergebnisse ihrer früheren Arbeit zu integrieren und zu realisieren und die neuesten Ideen zu testen, mit dem Ziel, die Bedürfnisse von Sehbehinderten zu erfüllen," erläuterte Raisamo. "Es wird erwartet, dass die Ergebnisse einen wertvollen Beitrag Europas zur Entwicklung der Informationsgesellschaft und der Gleichstellung von sehbehinderten Kindern leisten und sie befähigen, die Bürger der Zukunft zu werden."

Die multimodale Software-Architektur zur Schaffung neuer Anwendung wird zur Zeit aufgebaut. Wissenschaftliche Ergebnisse aus der multimodalen Navigation und der mehrere Sinne ansprechenden Informationspräsentation fließen in die Arbeit des Teams ein. Das dreijährige Projekt endet planmäßig im August 2007.

Link zum Projekt MICOLE


Im Angebot der SDC seit 08.05.06 (jch)

Verwandte
Themenbereiche:
Mediennutzung durch Menschen mit Behinderungen / Aktivitäten für Menschen mit Behinderungen, Barrierefreiheit




 Nach oben

Copyright 2009, SDC.