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Ältere Leute und Technik - ein sozialer Bedarf, eine wirtschaftliche Chance?

Dr. Gail Bradbrook, Citizens Online

Ist ein inklusives digitales Zeitalter die Antwort auf unsere wirtschaftlichen Nöte? Wenn man mit digitaler Technik auf die Bedürfnisse und Bestrebungen älterer Leute eingeht, könnte dies ein signifikantes Wachstum der Wissenswirtschaft Europas hervorrufen.

Niemand bezweifelt Ausmaß und Bedeutung der industriellen Revolution mit ihrem phänomenalen Produktions- und Innovationswachstum. Unser Blick auf diese Zeiten wird jedoch getrübt von Kinderarbeit, Toten in den Kohlebergwerken und das Leiden der Fabrikarbeiter.

Wir befinden uns mitten in einer digitalen Revolution, die vielleicht von größerer Bedeutung ist als ihre industrielle Vorläuferin. Wie die Geschichte auf diese Zeit schauen wird, hängt sicher auch davon ab, wie wir mit den sozialen Konsequenzen umgehen, d.h. inwieweit wir das digitale Zeitalter zu einem inklusiven machen. Dies ist nicht nur ein sozialer Imperativ, sondern auch eine wirtschaftliche Chance.

Die Inklusivität unseres digitalen Zeitalters umfasst zwei Elemente: den Zugang zur alltäglichen Technik und die Innovation. Fast alle - unabhängig von Alter und sozio-ökonomischer Herkunft - sollten in der Lage sein, die Alltagstechnologie (Handys, Internet E-Mail usw.) zu nutzen. Dies sind heute Alltagstools, die Zeit und Geld sparen und die Verbindung zu wichtigen sozialen Netzwerken halten.

Innovationen konzentrieren sich hauptsächlich auf geschäftliche Nutzer oder relativ wohlhabende Menschen, die ihren Freizeitbeschäftigungen nachgehen. Inklusive Innovationen würden sicherstellen, dass die Lebensumstände aller Bürgerinnen und Bürger von effektiven Technologien unterstützt werden. Sie könnten z.B. die Erbringung von Gesundheitsdienstleistungen verbessern oder Gedächtnis- oder Mobilitätsverlust entgegenwirken.

Die Mehrheit der älteren Leute haben keine Vorteile vom digitalen Zeitalter - nur 10 % nutzen das Internet, verglichen mit durchschnittlich 47 % in der EU1. Ernsthafte Seh-, Hör- und Beweglichkeitsprobleme behindern die Bemühungen vieler älterer Leute (21 % der über 50-Jährigen), sich an der Informationsgesellschaft zu beteiligen.2 Für viele ist es einfach eine Vertrauenssache: zu wissen, wo es Hilfe gibt und zu verstehen, was digitale Technik für sie tun könnte.

Digitale Technologien ermöglichen es älteren Leuten auch, bei ihrer Arbeit oder in ihrer Gemeinschaft aktiv zu bleiben. Ihre Erfahrungen und Fähigkeiten sind ein großes Kapital, besonders in der Wissensgesellschaft. Die Nutzung von PCs am Arbeitsplatz hat bei den Menschen über 50 in den letzten Jahren stark zugenommen. Ältere Leute zu befähigen, sich online zu bewegen, ist eine erste Herausforderung. In vielen EU-Ländern gibt es unterstützende Initiativen, oft von Nichtregierungsorganisationen (NRO).

Seniornett Norge ist eine NRO in Norwegen, die für die e-Inklusion von älteren Menschen arbeitet. Die Organisation hat zwei Angebote: den "Surftag für Senioren", an dem landesweit offene Veranstaltungen in Bibliotheken und Gemeindezentren stattfinden, wo die Älteren sich über Informations- und Kommunikationstechniken informieren können. Das zweite ist ein "Club" oder Trainingszentrum vor Ort, wo Senioren ihr Wissen erweitern und kompetente IKT-Nutzer werden können.

Inforum ist eine Dachorganisation der ungarischen IKT-NROs. Ihr Informatik-Wettbewerb für Großeltern und Enkel zeigt, dass Kinder eine wichtige Rolle für die Motivation ihrer Großeltern zur Nutzung von Computern und Internet spielen können.

Das Seniormedia Marketing-Projekt in Österreich arbeitet für einen erleichterten Zugang zum Internet für Ältere und für generationenübergreifende Arbeit. Das Projekt umfasst eine Reihe von Initiativen wie Schulungsprogramme und Lernveranstaltungen, um die Älteren über e-Government und die Vorteile der Computernutzung zu informieren.

Es wird also in ganz Europa an Zugang, Kompetenz und Motivation gearbeitet. Zu dem zweiten Thema der inklusiven Innovation haben europäische Forschungsprojekte viele Technologien entwickelt, so für die Heimpflege, gesundheitliche Beratung und Fernüberwachung, intelligente Warneinrichtungen und personalisierte Führung.

Netcarity ist ein solches Projekt, das die Nutzer dabei unterstützt, mit ihren Freunden und Familienangehörigen über neue Kommunikationsterminals zu Hause Kontakt zu halten. Durch Interaktion mit Tablet PCs, Touch-Screen-Nutzerschnittstellen, Avatare und virtuelle Darstellung von Objekten können die Nutzer leicht Unterhaltungen mit anderen Menschen führen, Bilder und Dokumente austauschen und sozialen Aktivitäten nachgehen wie Weihnachtsgeschenke für die örtlichen Kirchengemeinden herstellen oder Karten spielen.

Ein weiteres von der EU finanziertes Projekt, ElderGames, untersucht die speziellen Bedürfnisse älterer Leute und macht ein Unterhaltungsangebot mit Schwerpunkt auf die kognitiven Fähigkeiten im Alter.

Gesundheits- und Sozialdienste können auch mit IKT unterstützt werden. Elektronisch unterstütztes mobiles Arbeiten, Datenaustausch und Telemedizin sind Möglichkeiten, wie ältere Personen von einer verbesserten Dienstleistung profitieren können.

Zwei europäische Projekte, die den e-Inclusion Award gewonnen haben, zeigen, wie Technik ältere Leute dabei unterstützen kann, unabhängig zu leben und ihre gesundheitliche Versorgung zu erleichtern:

Newham Advanced Telecare (NeAT) will eine stärkere Teilnahme von älteren Menschen an der Gesellschaft und der Wirtschaft fördern, indem sie ihnen dabei hilft, in ihren Gemeinden und an ihren Arbeitsplätzen aktiv zu bleiben. Telecare-Technologie wird in Altenheimen eingesetzt und überwacht die Aktivitäten von Personen; sie kann einen Alarm auslösen, wenn ein Problem auftaucht, und stellt eine Verbindung zu einem Kontrollzentrum her, wenn ein Alarm ausgelöst wurde. Über Gesundheit wird über eine TV-Settop-Box informiert, die Nutzer werden durch eine Messung von Vitalfunktionen geführt, der Gesundheitszustand wird abgefragt und es werden Hinweise zur Selbstbehandlung gegeben.

Lesen Sie bitte auch den zweiten Teil.


[1] Europäische Kommission - Measuring progress in e-Inclusion, Riga Dashboard 2007. http://ec.europa.eu/information_society/activities/einclusion/docs/i2010_initiative/rigadashboard.doc
[2] Active Ageing in the Information Society - Positionspapier, Juni 2007. http://www.age-platform.org/EN/IMG/pdf_Active_Ageing_in_the_Information_Society.pdf


Im Angebot der SDC seit 21.10.09 (yze)

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Internationale Aspekte, Bildungspolitik / Bildungswesen, Medienkompetenz, Mediennutzung durch SeniorInnen / Aktivitäten für SeniorInnen, Neue Technologien




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