Ein neuer Service via Webkamera und Internet soll Blinden den Alltag erleichtern
Keyvan Dahesch
Quelle: Quelle: Süddeutsche Zeitung vom 05.10.01
"Klickblick, leih mir dein Auge!" Diese Worte umschreiben einen neuen Dienst, der via Internet blinden oder sehbehinderten Menschen den Alltag erheblich erleichtern dürfte. Mit dem Service wird eine Idee des sehbehinderten Gründers einer Hilfsmittelherstellerfirma, Joachim Frank, realisiert. Bei der Messe Reha Care International in Düsseldorf, auf der bis zu diesem Freitag 900 Austeller aus 26 Ländern ihre Produkte präsentieren, stieß die Vorführung von "Klickblick" auf großes Interesse. "Meine Einkäufe sind in der Tasche durcheinander geraten. Jetzt weiß ich nicht, in welcher Dose Futter für meinen Führhund und in welcher die Erbsen sind", sagt etwa die blinde Rentnerin Renate in Düsseldorf und hält beide Dosen vor die Webkamera. "In der linken Hand haben Sie die Erbsen", erwidert Tom am anderen Ende der Leitung. Renate bedankt sich bei ihrem Helfer und kennzeichnet die Behälter in Blindenschrift.
"Ohne meine eigene Sehbehinderung wäre ich wohl nicht auf die Idee gekommen, elektronische Hilfsmittel für blinde oder sehbehinderte Menschen zu konstruieren", sagt Joachim Frank von der Firma Frank Audiodata. Seit 1983 produzieren seine 55 Beschäftigten, darunter sieben blinde Frauen und Männer, Geräte und Software, die – unabhängig von Anbietern – die Benutzung des Computers und diverser Programme für Menschen mit Sehschäden ermöglichen.
"Keine noch so intelligente Software kann auf absehbare Zeit Bilder erkennen, beschreiben und Handschriften entziffern. Dafür ist nach wie vor menschliche Hilfe notwendig", betont Frank.
"Die Blicker, also die Sehenden, brauchen außer der Software nur ein billiges Mikrofon für die Sprachverbindung. Die Frager, also die Blinden, bekommen ein Mikrofon, die Software, eine Webkamera, einen Scanner und den Internet-Zugang installiert", erläutert die blinde EDV-Fachfrau Marita Keßler, "die blinden Frager benötigen keinerlei Internet-Kenntnisse." Der Service nutze zwar das Internet, doch sei alles für den Benutzer unmerklich in die Frager- Software integriert.
Die in etwa zwei bis drei Jahren erwarteten Mobiltelefone mit eingebauter Videokamera sollen es blinden Menschen ermöglichen, von überall aus "Leih mir dein Auge" aufzurufen. Zur Unterstützung des neuen Systems und zur Entwicklung weiterer Dienste haben Vertreter der deutschen Blindenselbsthilfeverbände den gemeinnützigen Verein "Klickblick plus" ins Leben gerufen.
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http://www.sueddeutschezeitung.de/index.php?url=/computer/internet/tec hnologie/26264&datei=index.php
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