Freies Netz für alle!
Thorsten Arndt, politik digital
Freies Netz für alle!
Erreichbarkeit geht vor Brillianz: Die grüne Bundestagsabgeordnete Andrea Fischer hat mit ihrer neuen Website www.andrea-fischer.de bewusst andere Prioritäten gesetzt als viele ihrer Kollegen, weil sie auch behinderten Menschen die Chance geben will, sich über ihre Person und ihre Arbeit zu informieren. Damit beweist sie ein Problembewusstsein, daß z.B. in den USA schon viel weiter entwickelt ist.
10 bis 20 Prozent der Bevölkerung in den meisten Ländern sind nach Schätzungen der WAI (Web Accsessibility Initiative) in irgendeiner Form behindert und oft genug wird mit der Behinderung auch der Zugang zum Internet erschwert oder gar unmöglich gemacht. Das Webdesign vieler Seiten nimmt darauf nur wenig Rücksicht. In den USA hat man das Problem früh erkannt, seit kurzem gibt es dort ein Gesetz, das den Behörden vorschreibt, nur noch solche Geräte und Programme anzuschaffen, die mit den bei behinderten Surfern üblichen Hilfsmitteln kompatibel sind. Der gleiche Grundsatz muß bei der Gestaltung öffentlicher Websites beachtet werden.
Ein ähnliches Gesetz ist hierzulande vorerst nicht in Sicht, die behindertengerechte Darstellung öffentlicher Websites beruht auf dem Prinzip der Freiwilligkeit. Auch deshalb möchte die ehemalige Gesundheitsministerin Andrea Fischer mit ihrer neuen Website ein Zeichen setzen und zur Nachahmung anregen. Ein Vorbild war dabei sicherlich die Website des Deutschen Bundestages, der 1999 vom Arbeitskreis "Barrierefreies Internet" der "Gordische Webknoten" für besonders behindertenfreundliche Web-Seiten verliehen wurde.
Der erste Eindruck der abwechslungsweise einmal in blau gehaltenen Website zeigt, daß Andrea Fischer in dieser Hinsicht ebenfalls preisverdächtig ist. Wie der Bundestag hat sie auf aufwendige Flash-Intros, komplexe Framesets, verschachtelte Tabellen oder opulente grafische Verweise verzichtet. Das Textlayout ist kontrastreich und gut lesbar, und die Verweise und Hyperlinks sind deutlich hervorgehoben. Das einfach gehaltene Design macht die Seiten zudem nicht nur sehr übersichtlich, sondern durch schnelle Ladezeiten auch gut zugänglich. Der Online-Test auf einem simulierten Lynx-Browser und einem speziellen Testsite für Webdesiger bestätigt, dass es tatsächlich keine nennenswerten Barrieren auf der Website gibt.
Ganz ohne Mankos kommt jedoch auch ein solch vorbildlicher Netzauftritt nicht aus. Als erstes fällt die mangelnde Aktualität der Seiten auf, der Tip des Monats galt beispielsweise lange Zeit für den trüben September, obwohl wir uns mittlerweile doch mitten im goldenen Oktober befanden. Auch die anderen Angebote könnten durchaus etwas mehr Online-Pflege vertragen.
Der Umfang der Website ist im Vergleich zum Angebot anderer Abgeordneter ebenfalls nicht gerade als bahnbrechend zu bezeichnen. Der Inhalt beschränkt sich hauptsächlich auf politische Textbeiträge und Redemanuskripte, es gibt keine Audioangebote, und ausführlichere Beiträge sind zumeist nur mit einem Hyperlink auf zum Teil nicht behindertengerechte Seiten erreichbar (wie z.B. www.gruene-fraktion.de). Ein kurzer Lebenslauf und die kleine Sektion "Specials" können das Angebot nicht wirklich auflockern.
Als derzeit noch rudimentär ist die Interaktivität des Webauftritts zu bezeichnen. Der Online-Kontakt zur Abgeordneten ist nur per E-Mail möglich - es gibt weder ein Gästebuch, noch einen Newsletter. Es gibt auch kein funktionierendes Forum, dies ist allerdings dem Anspruch der Website geschuldet und damit zu entschuldigen: Es gibt derzeit offensichtlich einfach kein behindertengerechtes Tool, um ein wirklich offenes Forum zu bieten.
All diese Einwände beeinträchtigen den positiven Gesamteindruck von www.andrea-fischer.de nur unwesentlich. Die Website steht noch nicht lange im Netz, sie läßt sich ausbauen und viele Schönheitsfehler lassen sich leicht entfernen. Was bleibt, ist der Eindruck eines gelungenen Netzauftritts von Andrea Fischer, die mit ihrer Einbeziehung behinderter Netzsurfer nicht zuletzt an den ursprünglichen universellen Anspruch des Internets erinnert.
Mehr erfahren Sie unter:
http://www.politik-digital.de/netzpolitik/weboffensive/andrea_fischer_ test.shtml
Im Angebot der SDC seit 06.11.01
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