Gehirntraining für Junggebliebene
Carola Wieser
Quelle: VdK News
"Den Posteingang im Programm Outlock können Sie sich vorstellen wie Ihren Briefkasten im wirklichen Leben.
Wenn ich wissen will, ob ich Post habe, muss ich im Briefkasten nachsehen." So einfach und anschaulich klingt das, wenn Kursleiter Lutz Grambow eine neue Funktion am Computer erklärt.
E-Mail mit dem Mailprogramm Outlock steht heute auf dem Stundenplan der fünf Teilnehmer am Intemet-Kurs für Einsteiger im VdK Max-Peschel-Haus auf der Buchenhöhe bei Berchtesgaden. Während die übrigen Gäste noch beim Frühstück sitzen, haben sich Liselotte Gutschker, Adelheid Froster, Walter Froster, Robert Palmer und Dr. Waldemar Ritter bereits in dem modern ausgestatteten Computerraum eingefunden und sind eifrig dabei, sich gegenseitig E-Mails zu senden, im Internet zu surfen oder online mit Gleichgesinnten zu "chatten". Kursleiter Lutz Grambow nimmt ein Blatt Papier in die Hand, klemmt ein zweites mit einer Büroklammer dahinter und verdeutlicht auf diese Weise, wie man eine E-Mail mit Anhang versendet.
Die Teilnehmer verfolgen die Erklärungen Lutz Grambows Schritt für Schritt an der großen Leinwand, auf der der Computerbildschirrn des Kursleiters mittels "Beamer" abgebildet ist. Zusätzlich finden die Kursteilnehmer alle Kursinhalte noch einmal ausführlich erklärt in ihren Mappen. Diese von den Kursleitern selbst entwickelten
Materialien spiegeln die Erfahrung aus acht Jahren PC- und Internetkurs-Erfahrung wider. "Selbst ein Dau - das ist der dümmste anzunehmende User kann sie problemlos verstehen" scherzt Lutz Grambow. Mit solch lockeren Sprüchen sorgt er immer wieder für Heiterkeit bei den Kursteilnehmern.
Betreuung geht weiter
Grambow hält seit acht Jahren Kurse im VdK-Max-Peschel-Haus: Einführung in Windows, Word, Excel und Internet.
Warum ihm die Tätigkeit als Kursleiter nach dieser Zeit immer noch Spaß macht, erklärt er so: "Am Anfang eines Kurses herrscht oft Skepsis, bisweilen sogar eine gewisse Angst vor dem PC bei den Teilnehmern. Es ist immer wieder schön zu sehen, wie sich im Laufe der Kurse die Einstellung ändert. Am Schluss sind die meisten hochmotiviert und brennen geradezu darauf, das Gelernte zu Hause umzusetzen und alles auszuprobieren." Auch nach dem Kurs werden die Teilnehmer von Lutz Grambow und seinen Kollegen weiter betreut, wenn sie zum Beispiel Hilfestellung beim Kauf eines PCs oder bei der Installation eines neuen Programmes benötigen.
Für Adelheid Froster, Oberstudienrätin a.D., ist das Internet ein wichtiges Hilfsmittel. Auf Grund einer schweren
Krankheit ist sie nicht mehr so gut zu Fuß. Sie möchte im Kurs vor allem lernen, wie man Online-Banking nutzt und
wie man richtig e-mailt. Auf diese Weise kann sie Informationen über das Internet abrufen und sich lange Wege sparen. Die Internet-Kurse des VdK schätzt sie besonders, "weil man mal rauskommt und mit Gleichgesinnten zusammen ist." Die behindertenfreundliche Ausstattung des VdK-Max-Peschel-Hauses ist für sie dabei von großem Vorteil.
Der Publizist und Buchautor Dr. Waldemar Ritter gibt gleich drei Gründe für seine Teilnahme am - Kurs an. Erstens sei da die Neugierde, zweitens die Hoffnung, über das - moderne Medium neue Informationen für seine wissenschaftliche Arbeit über das Kulturland Deutschland zu bekommen, und drittens, der Enkel, der ihn schon lange damit ärgert, "warum der Opa noch nicht im Internet surfen kann."
Liselotte Gutschker aus München hat bereits einen Computer zu Hause, möchte aber "erst einmal alles von Grund auf lernen", bevor sie sich ans Surfen oder Online-Banking wagt. Neben ihrem Interesse am Computer nennt sie vor allem - die Enkel in der Schweiz, mit denen bereits ein reger E-Mail-Kontakt besteht, als Grund für ihre Teilnahme. Die meisten Teilnehmer nutzen - die Kurse als Einstieg, um dann zu Hause selbst weiterzuarbeiten. Aber es gibt auch richtige Fans, die immer wieder kommen. "Die treueste Teilnehmerin ist 78 Jahre alt und - war schon sieben Mal dabei. Sie hat sich jetzt zum achten Mal angemeldet. Und das, obwohl sie erst vor zwei Jahren auf den Computer gekommen ist", erzählt Lutz Grambow. "Das Denken nicht verlernen" wollen beispielsweise die vier von
der "Spezitruppe", deshalb treffen sie sich regelmäßig zum "Gehirntraining auf der Buchenhöhe". "Spezitruppe" nennt Grambow diese Kursteilnehmer, weil sie bereits zum dritten Mal hier sind. Kennen gelernt haben sich Benno Spies, Inge Koller, Petra Fieger und Maria Tretter übrigens auch bei einem PC Kurs für Einsteiger auf der Buchenhöhe. Nun vertiefen sie ihr Wissen und ihre Freundschaft jedes Jahr ein Stück weiter, vormittags im Kursraum, nachmittags bei gemeinsamen Freizeitaktivitäten in der Umgebung des Obersalzbergs. Sie untemehmen Ausflüge nach Salzburg, zu den Thermen nach Berchtesgaden, machen
Wanderungen und abends genehmigt man sich einen Schlummertrunk. Begeistert erinnern sich die vier "Spezis" an
den Sonnenaufgang auf der Rossfeld Höhenringstraße. "Um halb sieben in der Früh bei Minus fünf Grad hat uns der
Grambow da 'nauf g'schleppt. Aber schön war's!" Solche Geschichten beweisen: Die Stimmung im Kurs ist bestens.
Für Benno Spies, Vorsitzender des VdK-Ortsverbandes Finsing, sind die Computerkurse auf der Buchenhöhe so
angenehm, weil sie zur einen Hälfte aus Lernen und zur anderen Hälfte aus Freizeit bestehen. Außerdem seien sie
für ihn die logische Konsequenz aus einem Dilemma gewesen, meint er mit einem verschmitzten Lächeln, hat er
doch einen Schriftführer, der nicht gerne Einladungen schreibt. Deshalb hat Spies zunächst seine Tochter für die
Schreibarbeiten eingespannt, bis auch diese keine Lust mehr hatte. Also was tun? Kurzerhand nahm er an einem
PC-Kurs auf der Buchenhöhe teil und gestaltet seither mit Word und Excel selbst die schönsten Einladungen und
Schreiben für seinen Ortsverband.
Mehr erfahren Sie unter:
http://www.vdk-bayern.de
Im Angebot der SDC seit 26.02.02 (tmu)
- Verwandte
Themenbereiche:
- Mediennutzung durch SeniorInnen / Aktivitäten für SeniorInnen, Mediennutzung durch Menschen mit Behinderungen / Aktivitäten für Menschen mit Behinderungen
