Britische Wissenschaftler des University College Northampton haben das Navigationssystem "Wheelyroute" für Rollstuhlfahrer entwickelt. Mit dessen Hilfe soll es Rollstuhlfahrern künftig möglich sein, sich barrierefreie Wege durch Städte weisen zu lassen.
In einer Studie in Zusammenarbeit mit dem Engineering and Physical Sciences Research Council (EPSRC) sammelten die Mitarbeiter des Teams von Prof. Hugh Matthews Daten, indem sie zunächst Rollstuhlfahrer nach den individuellen Problemen befragten, die diese bei der Benutzung von Straßen und Wegen haben. Anschließend begleiteten sie die Fahrer mechanischer und motorisierter Rollstühle auf ihren Wegen durch Northampton und protokollierten die auftretenden Hindernisse und Schwierigkeiten. Die Ergebnisse setzten sie in "Wheelyroute" um, einem Programm, das nach Eingabe von Standort und Zielort Wege ohne Bordsteinkanten und Treppen ausgibt. Weiter ist es für die Nutzer mechanischer Rollstühle möglich, die persönliche Fitness einzugeben, um auch über Steigungen auf der anzuzeigenden Strecke informiert zu werden.

Hinter Wheelyroute steht ein Geographisches Informationssystem (GIS), in das die Wissenschaftler sämtliche Daten über die Beschaffenheit von Straßen, Wegen und Kreuzungen oder das Vorhandensein von Treppen eingegeben haben. Damit ist es möglich, ein detailliertes Profil jeder Stadt aus der Sicht eines Rollstuhlfahrers zu erstellen. "Bei dieser Art von Forschung wird Ihnen sehr schnell klar", sagt Prof. Matthews, "dass ein kleines Hindernis für einen Fußgänger zu einer unüberwindlichen Barriere für einen Rollstuhlfahrer werden kann."
Der Prototyp des "Wheelyroute"-Systems basiert auf den Daten von Northampton. Nach Auskunft der Wissenschaftler ist es jedoch möglich, das System durch die Sammlung der entsprechenden Daten auch auf andere Städte zu übertragen. Rollstuhlfahrer könnten sich dann vorab über Wege informieren und auch in fremden Städten freier bewegen, ohne plötzlich vor Hindernissen zu stehen. Derzeit gibt es "Wheelyroute" nur auf CD-ROM, und es steht in öffentlichen Einrichtungen in Northampton zur Nutzung bereit. In Kürze soll es auch über das Internet angeboten werden. "Ideal wäre es", so Prof. Matthews von der Universität Northampton, "Wheelyroute auf Hand-Helds verfügbar zu machen, so dass Rollstuhlfahrer sich jederzeit, auch als Neulinge in fremden Städten, zurechtfinden können." Ein wesentlicher Aspekt des Systems ist auch seine Aktualität – im Gegensatz zu gedruckten Karten können Änderungen jederzeit in das System eingepflegt werden.
Nach Ansicht von Prof. Matthews ist das System "Wheelyroute" bisher einmalig. Neben den Rollstuhlfahreren wendet es sich auch an Stadtplaner, die es dazu nutzen können, sich bereits vor geplanten Baumaßnahmen über die bestehenden Hindernisse für Rollstuhlfahrer und andere Menschen mit Mobilitätseinschränkungen zu informieren. Bei der Neugestaltung öffentlicher Wege und Plätze können so die spezifischen Bedürfnisse dieser Gruppen berücksichtigt werden.