Mit Hilfe des "Taktilen Interaktions Monitors" (TIM) können sich Blinde künftig den Bildschirminhalt von Computern ertasten. Professor Jürgen Schlingensiepen vom Fachbereich Maschinentechnik der Universität Wuppertal hat in Zusammenarbeit mit Gunnar Matschulat von der Wuppertaler Firma
ABTIM
dieses neuartige Blindenhilfsmittel entwickelt.
TIM ist ein Gerät von der Größe eines Notebooks mit einem Tastdisplay von vier mal vier Zentimetern. Auf dem Tastdisplay befinden sich 256 Tastpunkte, die durch ein Lochraster gehoben und gesenkt werden und so den Bildschirm ausschnittweise in Echtzeit wiedergeben. Durch die Vibration von Tastpunkten können bis zu sieben verschiedene Farben dargestellt werden.
Die Philosophie von TIM ist einfach: In der Braille-Darstellungsweise geht das "Auge" (die Finger des Blinden) zum Bild, bei TIM kommt das Bild zum "Auge".
Die Finger bleiben auf dem Display liegen, während mit Hilfe der Maus neue Bereiche des Bildschirms erfasst und auf das Display übertragen werden.
Neben dem PC-TIM als Anschlussgerät an den Computer gibt es auch den Video-TIM, mit dessen Hilfe "Videoaufnahmen" auf das Display übertragen werden. Video-TIM ermöglicht zum Beispiel das Auslesen von Dokumenten, Zeitschriften oder Kassenbons und Fahrplänen.
Seit Anfang 2001 liegt der Betätigungsschwerpunkt der Universität Wuppertal im Bereich der Entwicklung von Lehrinhalten für die taktile Blindenfrüherziehung mit TIM. Schwerpunkte dieser Arbeit sollen das Erlernen von Noten mit einem neuartigen Notensystem sein, bei dem sich ein ganzer Takt auf dem TIM-Display darstellen lässt und die Entwicklung eines grafischen Bildersatzes zur Vermittlung einfacher, bildhafter Inhalte (zum Beispiel Bildergeschichten für Blinde) mit TIM.
Weiter steht die Erprobung interaktiver Spiele auf dem Plan, mit dem Ziel das Fühltraining zu optimieren. Spiel- und Lehrinhalte könnten dann in neuer, zeitgemäßer Form vermittelt werden. Insgesamt sind Früherziehung, Blinden-Arbeitsplätze und größere Selbstständigkeit die Ziele der Entwicklung und Weiterentwicklung von TIM.
Trotz der positiven Aspekte wurden bereits kritische Stimmen zu TIM laut. Von Blinden als problematisch beurteilt wird der derzeit noch sehr hohe Preis, der als nicht verhältnismäßig zum möglichen Nutzen angesehen wird. Weiter äußern die Kritiker die Vermutung, Blinde seien in die Forschungsarbeiten nicht einbezogen worden und TIM sei am tatsächlichen Erleben Blinder vorbei entwickelt worden.