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Menschen mit Behinderungen
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Wieder besser sehen können dank innovativer Teletherapie

Heidi Sonntag, NovaVision, Zentrum für Sehtherapie Magdeburg

Ein älterer Patient beim Training vor dem eigenen Computer

Das Visuelle RestitutionsTraining von NovaVision ist ein computergestütztes Sehtraining. Es wurde auf der Grundlage neuropsychologischer Forschungen entwickelt und hilft Menschen, die nach einer Sehnerv- oder Hirnschädigung unter Gesichtsfeldausfällen leiden. Ursachen für eine solche Schädigung sind (neben Schädel-Hirn-Trauma und Hirntumor) vor allem Schlaganfälle, so dass insbesondere viele ältere Menschen zu den Betroffenen gehören. Mit einem individuell angepassten Programm kann der Patient bzw. die Patientin zu Hause am eigenen PC trainieren (in der Regel sechs Monate). Bei 85% der bisher behandelten rund 440 Personen hat diese neuartige telemedizinische Therapie zu erheblichen Verbesserungen beim täglichen Sehen geführt. Bei einigen Patienten gelingt sogar die nahezu vollständige Wiederherstellung des Sehens. Pro Jahr erleiden in Deutschland mehr als 450.000 Menschen einen Schlaganfall oder eine unfallbedingte Schädel-Hirn-Verletzung; rund 15.000 Menschen erkranken an einem Hirntumor. Bei etwa 20% dieser Personen treten in der Folge neurologisch bedingte Sehstörungen auf – sehr häufig in Form von Halbseitenblindheit (Hemianopsie) oder schwarzen Flecken' (Skotome) im Gesichtsfeld. Lange Zeit galten diese Gesichtsfeldausfälle aufgrund der hohen Spezifität in der Organisation des visuellen Systems als komplett irreversibel. Erst in jüngerer Zeit stellten Wissenschaftler fest, dass sich das Gehirn reorganisieren kann und sich dadurch auch die Sehfunktion wieder verbessert. Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse wurde das Visuelle RestitutionsTraining (VRT) entwickelt. Durch VRT werden gezielt die Zonen mit teilgeschädigten Nervenzellen angeregt, Sehinformationen wieder besser zu verarbeiten. Die vorhandenen Seh-Restfunktionen werden auf diese Weise gestärkt und trainiert, zu ihrer ursprünglichen Leistungsfähigkeit zurückzukehren. So wie ein Muskeltraining die Funktion der Muskeln stärkt, so stärkt das Sehtraining die nervale Aktivität von Hirnzellen in teilgeschädigten Bereichen. Um das Visuelle RestitutionsTraining Patienten auch außerhalb wissenschaftlicher Studien anbieten zu können, wurde 1997 in Magdeburg ein Sehzentrum gegründet, aus dem im August 2000 die NovaVision AG • Zentrum für Sehtherapie hervorging. Da durch das Visuelle RestitutionsTraining neuronale Funktionen reaktiviert werden sollen, ist regelmäßiges und ausdauerndes Training entscheidend für den Therapieerfolg. Unsere Patienten trainieren in der Regel zweimal 30 Minuten/Tag über einen Zeitraum von mindestens 6 Monaten – zu Hause am eigenen Computer. Der ambulante Ansatz des VRT erlaubt es den Patienten nicht nur, einen stationären Aufenthalt und immense Kosten zu vermeiden. Durch das Training erworbene Fortschritte werden auch sofort in den Alltag übertragen. Patienten mit geringer Beeinträchtigung können die Therapie sogar parallel zur Berufstätigkeit absolvieren. Lediglich die Eingangsdiagnose und die Einführung in das Trainingsprogramm (sowie ggf. die Abschlussdiagnose) erfolgen – mit geringem personellen und finanziellen Aufwand – bei NovaVision in Magdeburg oder in einer der kooperierenden Praxen bzw. Kliniken (in D, CH, A). Diagnose der Seh-Restfunktionen Während der Diagnose wird festgestellt, ob es im geschädigten Gesichtsfeld Zonen mit Seh-Restfunktionen gibt. Die Ergebnisse bilden die Grundlage für die Erstellung des individuellen Trainingsprogramms: Die Zone mit den Seh-Restfunktionen ist die Basis des zukünftigen Trainingsbereiches. Aber auch einzelne Programmparameter wie Größe, Form, Farbe, Präsentationsdauer der Lichtpunkte etc. werden exakt auf die Bedürfnisse jedes einzelnen Patienten abgestimmt. Wie funktioniert das Visuelle RestitutionsTraining? Bereits während der Eingangsuntersuchung erlernt der Patient die bewusst einfach gehaltene Handhabung des VRT-Programms. Der Patient sitzt – in einem festgelegtem Abstand – vor dem Computermonitor. Während sein Blick beständig auf einen Fixationspunkt gerichtet ist, erscheinen in seinem zentralen Gesichtsfeld Lichtpunkte an definierten Stellen des Computerbildschirms. Die Positionen dieser Lichtpunkte werden so gewählt, dass sie vor allem auf Gebiete mit hohem Verbesserungspotential – die Zonen der Seh-Restfunktionen – treffen. Der Patient hat die Aufgabe, diese Lichtpunkte zu erkennen und mit Tastendruck zu bestätigen. Wichtig ist, dass der Patient während des Trainings stets auf den Fixationspunkt schaut und die Augen nicht bewegt. Dies wird kontrolliert, indem er auch auf jede Veränderung des Fixationspunktes mit Tastendruck reagieren muss. Durch die Verbindung von systematischer Lichtstimulation mit einer aktiven Wahrnehmungsaufgabe (Bestätigung des gesehenen Lichtpunkts durch Tastendruck) werden die zugrunde liegenden neuronalen Strukturen gezielt angeregt, Sehinformationen wieder besser zu verarbeiten. Individuelle Betreuung und regelmäßige Programmanpassung während Trainingphase Während der ca. sechsmonatigen Trainingsphase wird der Patient per Telefon, Post und E-Mail vom NovaVision • Team betreut. Von Fragen zum Training bis hin zu Tipps zum PC oder zur Bedienung der Software – die Mitarbeiter von NovaVision kümmern sich ganz individuell um jeden Einzelnen. Die Ergebnisse seiner Trainingseinheiten sendet der Trainierende regelmäßig per E-Mail oder Post ins Sehzentrum nach Magdeburg. Die NovaVision • Therapeuten analysieren die Daten und passen die individuellen Trainingseinstellungen an den erreichten Fortschritt an. Der Patient erhält eine schriftliche Auswertung seiner Ergebnisse, Empfehlungen für das weitere Üben sowie das angepasste Trainingsprogramm für die nächsten ca. vier Wochen. Durch das ausdauernde Üben – einhergehend mit der stetigen Anpassung der Software – verbessern sich schrittweise die Sehleistungen des Patienten. Nach rund einem halben Jahr findet die Abschlussuntersuchung statt. Dabei wird auch die Möglichkeit einer Therapieverlängerung geprüft und mit dem Patienten erörtert. Neben der Fortführung des bisherigen Trainings bieten sich hierfür gegebenenfalls auch spezielle Varianten des Farb- oder Form-Trainings an. Dichtes Netz an Kooperationspartnern ermöglicht kurze Patientenwege Damit möglichst vielen Betroffenen ortsnah mit dem Visuellen RestitutionsTraining geholfen werden kann, hat NovaVision die Zusammenarbeit mit Reha-Klinken sowie niedergelassenen Ärzten, Psychologen und Optikern systematisch aufgebaut und wird sie auch künftig ausbauen. In der Regel besteht die Zusammenarbeit darin, dass der Kooperationspartner die Eingangsdiagnostik durchführt und seine Patienten in das Visuelle RestitutionsTraining einführt. Der damit verbundene Aufwand wird durch NovaVision vergütet. Nach Übersendung der Daten der Eingangsdiagnostik an das NovaVision • Zentrum in Magdeburg werden die Patienten – wie bereits beschrieben – von unseren Therapeuten via Telecare weiter betreut. Da diese Therapie bisher nicht zum Leistungskatalog der Krankenversicherungen gehört, müssen die Kosten in der Regel von den Patienten selbst getragen werden. In einem bundesweit einmaligen Modellprojekt bietet die AOK Sachsen-Anhalt ab 1. Dezember 2002 100 betroffenen Versicherten die Möglichkeit, das computergestützte Sehtraining zu absolvieren. Ziel ist einerseits eine verbesserte Sehleistung und somit auch eine höhere Lebensqualität der von Schädelhirntrauma bzw. Schlaganfall betroffenen Patienten. Andererseits sollen durch dieses Modellprojekt auch die Wirksamkeit sowie die Wirtschaftlichkeit des Sehtrainings untersucht und wissenschaftlich untermauert werden, so dass bei positivem Ergebnis das Verfahren mittel- bis langfristig zur Regelversorgung gehören könnte. Für weitere Informationen zum Visuellen RestitutionsTraining wenden Sie sich bitte an:
NovaVision, Hansapark 1, D – 39116 Magdeburg
Fon: +49 (0391) 63 600 50
Fax: +49 (0391) 63 600 70
E-Mail: info@novavision.info


Mehr erfahren Sie unter:
http://www.novavision.info

Im Angebot der SDC seit 21.11.02 (mam)

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